Die Erinnerungskultur in Ottweiler

Der 50. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 markiert den Beginn der Erinnerungs-kultur an das jüdische Leben in der Stadt Ottweiler. Bereits im Vorfeld dieses runden Gedenktages hatten sich die Ottweiler Jungsozialisten intensiv mit der Geschichte der Juden in Ottweiler auseinandergesetzt. Mit einer "Geschichtsschreibung von unten" widmeten sie sich der "Spuren-suche nach unseren ehemaligen jüdischen Mitbürgern", deren Ergeb-nisse sie im November 1988 als gedruckte Dokumentation der Öffentlichkeit vorstellten. Darin enthalten ist auch ein mehrseitiger Brief, den die in Ottweiler geborene Ruth Hronsky geb. Salm 1988 aus Palästina in ihre Heimat geschrieben hatte.


Der evangelische Kirchenkreis Ottweiler, der seit 1987 seinen Sitz im Stengel-Pavillon in Ottweiler hatte, war Initiator des Mahnmals, das zum 50. Jahrestag der Pogromnacht unmittelbar an der Stelle, an der einst die Synagoge stand, errichtet und eingeweiht wurde.

Aus den Trümmern, die hier symbolhaft für die Zerstörung der Synagoge in Ottweiler stehen, ragt eine Stele heraus, die oben mit dem Davidstern abgeschlossen ist. Die Inschrift lautet:


ZUM GEDENKEN
AN DAS
JÜDISCHE GOTTESHAUS

VOM RASSENWAHN
VERBLENDETE DEUTSCHE
SCHÄNDETEN ES 1938

DER VERNICHTUNG DER SYNAGOGEN

 

FOLGTE DER MORD AM JÜDISCHEN VOLK

 

SICH ERINNERN BRINGT ERLÖSUNG
VERDRÄNGEN HÄLT DIE ERLÖSUNG AUF

 

Eine immerwährende Erinnerungsstätte an die ehemalige jüdische Gemeinde in Ottweiler ist ihr Begräbnisplatz: "Haskala" · "Mazewa" · "Haus der Ewigkeit". Der jüdische Friedhof von Ottweiler ist das einzige noch authentisch erhalten gebliebene Zeugnis vom jüdischen Leben in unserer Stadt. Vom Frühjahr bis zum Herbst werden Führungen, initiiert und durchgeführt von Hans-Joachim Hoffmann und Klaus Burr, über diesen Friedhof angeboten.


Hans-Joachim Hoffmann hat in entscheidender Weise die Erinnerungskultur an die Ottweiler Juden geprägt. Neben zahlreichen Publikationen war es insbesondere die von ihm 2012 auf den Weg gebrachte "Aktion Stolpersteine", bei der durch den Künstler Gunter Demnig, Initiator dieses größten dezentralen Mahnmals in Europa, Stolpersteine vor den letzten Wohnstätten der jüdischen Mitbürger in Ottweiler verlegt wurden. Dabei kann es als glückliche Fügung gesehen werden, dass der damals gerade neu ins Amt gewählte Bürgermeister Holger Schäfer die Initiative Hoffmanns von Anbeginn an vorbehaltlos unterstützte.



Zum 80. Jahrestag der Deportation der Ottweiler Juden nach Gurs soll hinter dem Mahnmal im Fornarohof eine Gedenktafel angebracht werden. Wegen der Coronapandemie konnte die Übergabe am 22. Oktober leider nicht stattfinden. Die von Hans Werner Büchel gestaltete und von der Fa. K-Deko gefertigte Gedenktafel soll an der Wand des Treppenturmes direkt hinter dem bestehenden Mahnmal ihren Platz erhalten.



SICH ERINNERN BRINGT ERLÖSUNG
VERDRÄNGEN HÄLT DIE ERLÖSUNG AUF